Wir haben Ostern 2020. Es ist ein sonniger, warmer Apriltag, fast schon unglaublich heiß. Zumindest ist mein Laptop auf dem Schoss durch die Hitze auf meinem Balkon ganz schön aufgeheizt, jetzt schon…

Wir haben, jetzt an Ostern, die Zeit der Wandlung: vom Tod zur Auferstehung und Leben. Zwei Gegensätze…Etwas geht was uns lieb geworden ist- etwas anderes entsteht, wovon wir noch nicht wissen was- doch irgendwie halten wir es aus. Es steht ein Wandel bevor.

©sandramarikabackert- Freiburger Münster 2020

Wir haben Corona- Zeit 2020. Es ist ein sich sehr dynamisch verbreitender kleiner Organismus, und beeinflusst fast schon surreal unsere Erfahrungen die letzten Wochen. Es gibt Kontaktverbot und Ausgangsbeschränkungen. Es gibt immer noch Schreckensmeldungen. Das Virus bedroht und tötet Menschen, es schadet sicher geglaubte Existenzen und verwandelt das soziale Leben und die Wirtschaft- weltweit.

Es gab und gibt zahlreiche Verschwörungstheorien dazu – diese sind hochgradig toxisch und ungemein gefährlich, da sie empfindsame und beeinflussbare Menschen mit Szenarien konfrontieren, wodurch sie sich diese Situation irgendwie verklausulieren.

Es werden Schuldige gesucht, angegriffen und verurteilt. Diese Taktik wird auch von einigen Politikern genutzt- Namen seien nicht erwähnt- jeder kann sich gern selbst welche vorstellen.

Was hat es mit Schuld auf sich? Warum gibt es Schuld ? Was steckt dahinter wenn Personen oder Personengruppen, Dinge und Situationen an etwas Schuld sein sollen? Es wurde offenbar etwas getan, was ungerecht empfunden wurde, was Leid hervorrief oder sogar Leib und Leben gefährdete. Aktuell wird empfunden, dass es zahlreiche Schuldverursacher gibt (meine Wahrnehmung). Doch es wandelt sich- die Panik der ersten Wochen steuert in andere Richtungen.

Eine Reaktion jemandem mit dem Schuldverweis zu kennzeichnen geschieht sicher, wenn man Ungerechtigkeit erfährt- sei es wahrlich nicht beeinflussbare oder selbst empfundene. Aus der Perspektive des Einzelnen ist dies eben so wahrnehmbar und somit dessen unumstössliche Realität. Sei es bei der Verteilung von Soforthilfen, bei dem Empfinden dass die Grundgesetze erheblich eingeschränkt werden, dass es Willkür gibt bei den Erlebnissen mit den Ordnungsbeamten oder der Polizei, sei es, dass nicht genug getan oder zu lange eingeschränkt wird, seien es die unterschiedlichen Gehälter bei diversen Berufen oder die auferlegten Home Schooling und Home Office Einheiten, sei es das sozialen Gefälle bei Lebensumständen oder das Fingerzeigen auf die „Verursacher“- die Skifahrer aus Ischgl, die Karnevalsnarren oder die trinkfreudigen Bierfestbesucher…- all das ist real empfundene Erkenntnis beim Einzelnen. Den Schuldigen auszumachen und (oft gern jetzt) medial zu verurteilen hilft oft die Bedrückung und teils auch Verbitterung im Inneren zu regulieren. Ein Stellschraubendrehen zur Reinigung der Seele. Man lässt den inneren Dampf ab und ihn in Luft verwandeln.

Schuld- durch Gesetze und Gebote, kollektiv empfundene Moral und Ethik Maßstäbe reguliert. Das entspricht der Norm, das ist bekannt, da fühl ich mich im Dickicht der Verworrenheit sicher, da kann der „Blockwart“ Meldung machen, da ist Verunglimpfung nicht weit…Menschen sind sich immer mehr bewusst dass das Alte so nicht mehr kommen wird. Die alte Normalität wird betrauert. Dadurch kann sich die Einstellung zu Neuem verwandeln. Doch dies ist ein Prozess und wir benötigen dafür Geduld.
Das Bewerten und Beurteilen was Recht und Unrecht ist, übernimmt der Einzelne und hofft auf Bestätigung durch Institutionen…

Es geht beim genaueren Hinsehen auch um das, was der Einzelne selbst für sich entscheidet, um dann auch die Verantwortung dafür zu übernehmen. Wir sind das Tragen für Verantwortung für innere Prozesse und Selbstreflexion kaum mehr gewohnt- wir schaffen vieles- vom Steuer zahlen, Kinderbetreung, zur Arbeit gehen, Kredite aufnehmen- doch die inneren Fragen werden oft nicht beantwortet. Das ist ja auch vollkommen ok wenn der Alltag normal ist. Doch jetzt ist nichts mehr normal und alles ist ver-rückt. Diese Zeit des entschleunigten Seins, des verordneten Innehaltens kann belastend sein- denn jetzt werden die inneren Fragen lauter und wollen Antworten. Auch dafür sind wir , jeder Einzelne von uns verantwortlich. Verantwortung da auch mal reinzuhören, und die Verantwortung Entscheidungen zu übernehmen bedeutet auch eine Weiterentwicklung, Reifung oder Verwandlung.

Hier sei die Twittermeldung der Polizei Mittelfranken zitiert:

©twitter

Manche triggert sicherlich auch das Wort Schuld, weil sie es der Kirche oder einem Glauben zuschreiben und es negativ behaftet ist. Durch eigene Erlebnisse und Erfahrungen.

Andere sehen in ihrer verbrämten Ichhaftigkeit gar nicht mehr das größere Ganze- weil sie sich dem verschliessen möchten. Da werden Dinge als selbstverständlich angesehen, Dinge die einem als Person zustehen, es werden Ansprüche gestellt und jetzt sollen sie das nicht mehr dürfen, oder werden limitiert. Eine Veränderung der Einstellung oder das Hinterfragen bedeutet Mut zur Wandlung

Man will zur Normaliät zurück kehren- doch was ist jetzt die neue Norm? Die neue Post- Corona Massnahmen Neonorm? Was bedeutet dies für den Einzelnen, für das soziale Umfeld, den Staat und die Welt?

Nun wir wissen es nicht. Wir passen uns mit jedem Schritt, und jedem Tag neu an. Dies waren wir nicht mehr gewöhnt- wir waren im Autopilot Modus- wir funktionierten- Anpassung war nicht alltäglich, zumindest nicht hier in diesem Land und in dieser Gesellschaft. Wir verwandeln uns.

Wir können eine Chance in dieser Krise erkennen. Dies klingst sicher für existenzbedrohte oder kranke Menschen ganz grauenvoll und dumm. Und auf lange Sicht wird es Veränderungen geben- leider nicht immer wie man sich das wünscht oder nicht immer ohne Verluste. Das ist tragisch und das ist wohl das Leben.

Wieder andere sind schlichtweg verzweifelt, weil sie es gewohnt waren Dinge in die Hand zu nehmen, Einfluss auf etwas zu haben, teilweise ihre Handlungsweisen kontrollieren zu können- was ihnen jetzt genommen wird. „Ich kann meine Freunde nicht sehen„- Virus ist schuld. „Ich kann meine Verwandten nicht sehen, da ich im Pflegeheim bin„- Virus ist schuld. „Ich ertrage die Isolation nicht mehr„- Virus ist schuld.

Dies sind alles wahre und sicher schmerzliche Aussagen und Erkenntnisse- und sollen auch niemals heruntergespielt werden. Ich möchte niemandem den Schmerz, das Leid, die Not oder die Einsamkeit kleinreden oder schlecht machen. Diese Emotionen sind real empfunden, oft sehr schmerzlich und da gibt es gar kein drum rumdeuten.

Ich , ich , ich… in Kombination mit unerfüllten Erwartungen und Bedürfnissen… jeder hat dies inne, jeder erlebt es. Die einen mehr, die anderen weniger intensiv. Dies ist ungemein menschlichen und niemals perfekt. Und als Menschen müssen wir gar nicht perfekt sein. Dies ist eine Irrglaube und ist die Folge eines Optimierungsbedürfnisses, was, wenn im rechten Maß gelebt, auch vollkommen ok ist.

Das Soll (also Optimierungswunsch) ist ein Ziel, das Muss ist eine ungesunde Motivation.

Schauen wir uns doch einmal an was man, selbst in solchen Situationen tun kann. Ja, es gibt Möglichkeiten wieder in die Handlungsfähigkeit zu kommen. Wir können verwandeln.

Dies sind:

DANKBARKEIT: für das, was man ist und fähig ist zu tun. Auch kleine Dinge oder selbstverständliche- wie das Sehen oder Lesen.

DEMUT: Dieser Begriff hat nichts mit dem willenlosen Beugen vor einer Macht zu tun. Demut trägt in sich ein Paradoxon: z. B. sich dem Unausweichlichen stellen, schonungslos dem stellen was gerade ansteht (was Mut erfordert), und dadurch sich bewusst machen, dass man diesen Ist- Zustand irgendwie durchstehen wird, zeigt gleichwohl eine Möglichkeit auf, sich frei zu machen. Denn die Energie wird nicht mehr auf das Abwehren verwendet, sondern im tapferen Eingestehen seiner eigenen Abhängigkeit oder Bedürftigkeit öffnen sich neue Perspektiven. Das Anerkennen und Annehmen. Der leider häufig misslich verstandene Glaubenssatz Schwäche eingestehen ist schwach ist so nicht gültig. Es bedarf Tapferkeit und Mut sich seinen Schwächen bewusst zu werden , und sie auch anderen gegenüber zu äußern. Schwäche zugeben ist eine Stärke. Somit ist Demut eine besondere Variante von Mut.

RESILIENZ: Widerstandsfähigkeit- sich nach extremen Situationen wieder aufrichten. Der Begriff aus der Physik „funktioniert“ auch auf menschliches Leben. Es bezieht vielfältige Bausteine mit ein.

  • Akzeptanz: anzunehmen was ist- Motto: „Es ist, was es ist.“
  • Optimismus: sich nicht unterkriegen lassen und Möglichkeiten sehen, die die Zukunft bringen kann
  • Selbstwirksamkeit: sich bewusst sein, dass man selbst etwas schaffen kann. Es existiert ein Glaube an die „Machbarkeit“
  • Eigenverantwortung: Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen
  • Netzwerkorientierung: als soziales Wesen benötigen wir den Kontakt mit anderen Menschen. Die Fähigkeit anderen zu vertrauen, mit anderen in Kontakt treten und in einem sozialen Umfeld zu agieren. In dieser Zeit hilft uns das Internet oder der klassische Brief.
  • Lösungsorientierung: konzentrieren auf Möglichkeiten und nicht anhaften an Problemen und deren Ursprung. Wandlungsfähig sein.
  • Zukunftsorientierung: im besten Wissen und Gewissen handeln, mit Ausblick auf die Zukunft. Nicht in der Vergangenheit stecken bleiben, denn diese ist vorbei und nicht mehr veränderbar. Handeln geschieht im Jetzt- ich kann damit die Zukunft gestalten

SINN: Wie kann es sinnvoll sein sich mit Sinn zu beschäftigen? In dieser Phase? Vielleicht auch in Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit…? Man kann sich sinnvoll mit seinen Sinnen beschäftigen- also Wahrnehmen was ist. Denn dadurch kommt man aus der Grübelschleife raus. Sehen, hören, fühlen/ tasten, riechen schmecken. Sinnvoll ist auch Innehalten und sich bewusst machen wie man entscheidet zu handeln:

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“

Viktor Frankl

Sich mit dem Sinn zu beschäftigen und Entscheidungen als Wahl anerkennen, darin liegt auch ganz viel Freiheit.

Wie kann man sich nun einigermaßen „arrangieren“ mit der gegebenen Situation? Also sich von den üblichen Traditionen lösen und in neue Ideen umwandeln?

Zunächst einmal – es ist Ostern – sprich Feiertage.

Vielleicht kreativ mit der Familie oder Freunden online feiern- auch wenn man selbst vom Home Office schon quadratische Augen hat und den Bildschirm nicht mehr sehen mag. Dann ehrlich sein- und klar und transparent kommunizieren. Seine Art der Kommunikation umwandeln.

Die Natur erleben- und sei es nur ein kurzer Spaziergang oder auf Balkonien… selbst wenn das Wetter umschlagen sollte.

Sich auch mal einfach nicht so wichtig nehmen- nicht im Luxusgejammer verfallen- es ist wie es ist….und es gibt wirklich wirklich viiieeelll schlimmeres.

Das tun was man schon lange mal wider machen wollte: lesen, kochen, sich pflegen, oder schreiben… genauso wie diesen Blogbeitrag.

Es kann auch hilfreich sein folgenden Satz auf sich einwirken zu lassen:

“Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“.

Reinhold Niebuhr

Frohe Ostern 2020- eine wahrhafte Zeit von Wandlung

Herzlichst,

Sandra Marika

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