„Your task is not to seek for love, but merely to seek and find all the barriers within yourself that you have built against it.“
– Rumi

So, oder so ähnlich gestalten sich Treffen mit alten Bekannten oder ehemaligen Kollegen… manche haben nicht mitbekommen welche Reise ich unternommen habe, manche waren schlichtweg nicht da, bzw. ich hatte mich zurück gezogen und war off… Es ist gut so, wie es ist. Und ja – ich stehe offen, authentisch und gütig mit mir selbst, zu meiner Erfahrung. Ich hatte einen Burnout, und ich stehe dazu.

Ich finde persönlich die Bezeichnung „Erschöpfungsdepression“ noch treffender, bzgl. Burnout- ausbrennen wird immer so ein Zeitgeist Ding drausgemacht. Ja -ich kann mittlerweile erkennen, was mich dazu gebracht hat. Es waren nicht nur Stressfaktoren im Beruf, so wie es die WHO deklariert seit Ende Mai 2019 :

Die WHO beschreibt Burnout als Syndrom aufgrund von „chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wird“. Das Syndrom hat laut ICD-11 drei Dimensionen:

  • ein Gefühl von Erschöpfung,
  • eine zunehmende geistige Distanz oder negative Haltung zum eigenen Job und
  • ein verringertes berufliches Leistungsvermögen.

Zudem weist die WHO darauf hin, dass der Begriff Burn-out ausschließlich im beruflichen Zusammenhang und nicht „für Erfahrungen in anderen Lebensbereichen“ verwendet werden sollte. Bisher war Burnout unter „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ und ohne Verweis auf das berufliche Umfeld im Katalog ICD-10 aufgeführt.

Meine Erschöpfungsdepression resultierte aus vielfältigen Quellen: von unaufgearbeiteten Traumata der Kindheit, ungesunden Glaubensätzen, einem geringem Selbstwertgefühl gepaart mit unsicherem Selbstvertrauen, meinem ständig mit „ungenügend“ schreiendem inneren Kritiker, nicht reflektierten Grenzen ( die eigenen und die, von anderen) einem krankmachendem Altruismus, sprich verschrobenem Helfersyndrom, egozentrischen Zügen und zu hohen selbstgesetzten Ansprüchen und Erwartungen (an mich und meine Umwelt). Unerfüllbare Wünsche, Pflichtbewusstsein gepaart mit Leistungsstreben und schräg interpretierter „na- gut“ Mentalität spielten auch mit. Innere Leere, Flucht in Verdrängung (Shopping und übermäßigem Alkoholkonsum um sich abzulenken) und das Fehlen einer wahrhaftigen Identität kamen auch noch dazu. Umfähig mit Konflikten konstruktiv umzugehen, oder Bedürfnisse klar zu äußern…Sowas konnte ich schlichtweg gar nicht… unreife und selbstschädigende Züge – manchmal , im nachhinein aggressiv arrogante Züge …nicht so toll, ne… naja – es war so, wie es war…

Beliebt als Handlungsmuster wenn es nicht so lief, wie ich gehofft hatte: Maske tragen und innerlich reinfressen, gern mit passiv aggressiven Zügen… et voilà da haben wir unser toxisches, krankmachendes Gemisch. Es explodierte im Januar 2017 und ich hab viel über mich seit diesen Zeitpunkt angeschaut, Therapie gemacht und viel über mich erfahren. Es ist wirklich nicht schön sich Schritt für Schritt all das anzuschauen und „die Leichen in meinem Keller“ anzusehen, anzuerkennen und zu integrieren.

Mittlerweile kann ich wunderbar mit meinen Schatten leben. Sie sind ein Teil von mir und ich kann sie wertschätzen. Alles was da ist , kommt ja von mir. Es resultierte ja aus einem früheren Handlungsbedarf und manches hat mich ja auch „überleben“ lassen… und es sind eben auch Züge, innere Haltungen und Reaktionen, die ich mir nun immer wieder anschauen kann, abwägend- ist es hilfreich ( mit dem Instinkt und dem Wissen einer erwachsenen Frau) dies anzuwenden oder nicht. Ich kann erkennen und entscheiden- das ist ganz wundervoll. Und wenn ich mal wieder in alte Muster geraten bin, so what… dann nehm ich mich gütig und freundlich selbst in den Arm und tröste mein inneres Kind. Ist alles nicht so schlimm…

Me and my shadow…

Mein Eingeständnis an mich selbst, dass da gerade ganz viel im argen ist, verbuche ich als einen meiner größten Erfolge… persönlich und so.

Dadurch konnte ich- quasi an die Wand gedrückt,in all meinem Leid- lernen. Lernen Hilfe anzunehmen und zu akzeptieren, ich brauch Hilfe aus dem Loch… und- es zeigte mir auch- ICH WILL LERNEN!

Dankbar bin ich für meine, bisher sinnvollste Zeit in der Heiligenfeldklinik / Parkklinik Heiligenfeldklinik so vieles durfte ich dort lernen, über mich erfahren und die Saat sähen, was Schritt für Schritt wachsen darf, heilsam und gesund. Das Wort DEMUT hab ich dort erst wirklich zum ersten Mal in Tiefe realisiert – und all das, was ich dort erleben durfte berührt mich nachhaltig noch immer…

Das Loch in der Straße – Autobiographie in fünf Kapiteln- Portia Nelson

Nun möchte ich allen Mut machen- Mut sich seinen Schatten zu stellen. Sich aufzuraffen, durch Ängste durchgehen- gern auch mit therapeutischer Unterstützung. Es ist nicht einfach, weil es bedeutet die Comfi Zone zu verlassen- und es ist jeden Schritt, mag er noch so klein sein , wert. Ich stehe zu mir und MEINEM LEBEN, so wie es ist. Dankbar und zufrieden – selbst wenn immer wieder Herausforderungen entstehen… Ich lerne ständig dazu, und bin niemals perfekt oder entspreche Erwartungen… und es ist mein Leben und es macht mich stolz, was ich bisher erlebt habe. DAS IST MEIN ERFOLG;) Es zählen nicht mehr der Status oder der Beruf, es zählt wie ich zu mir selbst stehen kann- ich schau mir mein Leben und mich an und mag mich. Bedingungslos- so wie ich bin, einfach so…

Geh, geh einfach weiter…

Ihr seid Euch die wichtigsten Menschen in eurem Leben- nur ihr könnt entscheiden was gut oder schlecht ist, ob ihr leiden wollt oder euch Unterstützung holt. Ihr habt es in der Hand- als Entscheider über euer eigenes Leben. Euer Leben ist kostbar und ein Geschenk! Holt euch Unterstützung. Es ist vieles schaffbar, echt! Es bereichert und lässt jeden reifen. Ihr seid diejenigen, die die Fäden in der Hand haben… „strickt“ euch euer Leben, euer ureigenes Lebensmuster…

Lebensfäden „stricken“- actually your own job.

Und – es ist auch vollkommen ok, wenn man sich nicht dafür entscheidet. Keine Wertung, keine Verurteilung, keine Besserwisserei.

Meine Erfahrungen müssen nicht zwangsläufig Eure sein. Jeder ist so wie er ist- und einzigartig. Liebenswert und wunderbar.

Fühlt euch ganz lieb umarmt- dafür, für dass ihr einfach seid. Ja- Ihr dürft einfach sein…

Herzlichst Eure Sandra

Ein Gedanke zu “„Und- wie geht’s dir? Was hast du gemacht?“ – „Och, echt gut geht‘s mir. Hatte nen Burnout, das Beste was mir passieren konnte!“ – „Hä????“

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